Monotropismus

Charakteristika und Symptome im Detail I
Wie bereits im Text „Was ist Autismus?“ angemerkt, ist Autismus in seiner jeweiligen Ausprägung von Person zu Person unterschiedlich. „Wenn Du einen Autisten kennst, kennst Du einen Autisten“ heißt es nicht umsonst.
Um ein etwas genaueres Bild zu verschaffen, wollen wir nach und nach die verschiedenen Symptome näher beleuchten. Zur besseren Anschaulichkeit sollen die Texte neben theoretischen Hintergrundwissen auch etwas den Alltag beschreiben.
Dabei ist jeder aufgerufen, diese Liste zu vervollständigen.
Es besteht auch die Möglichkeit, falls jemand in seinem Blog schon das ein oder andere Thema näher beschrieben hat, uns den link zur Verfügung zu stellen, dann können wird den alternativ zu noch einem Text nutzen.
Den Anfang soll Monotropismus machen.

Was ist damit gemeint?
Monotropismus ist eins der “ Autismuscharakteristika“, die häufig mit genannt werden, um Autismus zu beschreiben. Er verbirgt sich dabei in „Spezialinteressen“, der relativen Unfähigkeit mehr als einem Gespräch zu folgen, der Reaktion auf Unterbrechungen (sei es privat oder am Arbeitsplatz) oder auch in der „Unfähigkeit Blickkontakt zu halten und zeitgleich zu sprechen oder zuzuhören“ .
Man spricht dabei häufig vom sogenannten Tunnelblickeffekt, der allerdings auch mit der „eingeschränkten zentralen Kohärenz“ in Verbindung  gebracht wird.  Die Monotropismushypothese geht davon aus, dass es ein Spektrum der Aufemrksamkeitssteuerung gibt von Multitasking hin zu Monotasking. Die relative Gesamtmenge an Aufmerksamkeit soll dabei für alle ungefähr gleich sein, lediglich die Fähigkeit dieses Aufmerksamkeitspotential zu splitten ist verschieden ausgeprägt.
Beim Autismus scheint es sich um eine Kombination aus Wahrnehmung und Aufmerksamkeitssteuerung zu handeln. Die Wahrnehmung ist bei Autisten häufig auf´s Detail ausgelegt.  In der Fachliteratur heißt es da häufig „den Wald vor lauter Bäumen nicht erkennen“, das mag sogar eine annähernd verständlich Umschreibung zu sein, für mich stellt es sich etwas anders dar. So ein Wald ist groß genug, den erkenne ich als  Wald. Wenn ich im Wald bin, sehe ich gehäuft Details, das stimmt: Baumstämme, Blätter, Moos, Äste, Käfer, Vögel, Hunde, den Besitzer der Hunde. Für mich ist diese Art der Wahrnehmung normal, deswegen ist für mich trotz aller Waldbestandteile klar: ich bin im Wald. Riecht ja auch nach „Wald“, fühlt und hört sich so an.  Deswegen war es am Anfang für mich schwer, dieses Charakteristikum auf mich zu beziehen. Bis ich irgendwann beim Busfahren gemerkt habe, dass die Sonnenblumen,  Rosenbüsche, der Gartenzwerg, der andere Gartenzwerg, das Gras und der kleine Weg gemeinhin auch „Vorgarten“ heißen…Ja, Detailsicht scheint da ausschlaggebend zu sein.  Das Stichwort dazu ist fehlende zentrale Kohärenz.
Wenn es dann mit dem Aufmerksamkeitstunnel zu Kopplung kommt kann es schwer werden. Sobald etwas meine Aufmerksamkeit zieht, sehe ich nichts anderes mehr. Praktisches Beispiel aus meinem Alltag, wer mir was erzählen möchte, sollte dabei auf hektische Handbewegungen verzichten. Wenn ich Hände beobachten muss, kann ich schlecht bis gar nicht zuhören.
Heute ist einer dieser Tage, wo mir mehr als deutlich wird, was Monotropismus für mich bedeutet.
Ich kann und vor allem ich mag nur eine Sache auf einmal machen. Gerade dann, wenn die Sache in einem Gebiet liegt, was durchaus das Potential hat ein Spezialinteresse zu sein (übermäßige Fixierung auf ein engbegrenztes Themengebiet in zeitlichem und inhaltlichem Umfang).  Klingt sachlich betrachtet, erstmal gar nicht so übel, was es in der Realität bedeutet liegt im „übermäßig“ verborgen.
In diesem Fall ist es sogar ein nützliches Thema oder andersherum, ich kann  meine Tendenz zum Monotropismus nutzen, in dem ich das angehäufte Wissen zusammenfasse und Texte für die Homepage erstelle.  Mein Umfeld ist noch ganz zufrieden, wenn sie mich beschäftigt wissen und ich zumindest ab und an noch andere Themen habe, über die man reden kann. Manchmal muss ich daraufhin gewiesen werden,  dass ich den maximalen Input beim Zuhörer erreicht habe, aber noch ist es händelbar.
Heute ist  es aber  sehr grenzwertig ist. Eigentlich möchte ich jetzt auch die nächsten Stunden nichts anderes machen, als mich zu informieren, Fakten zusammen zu tragen, zu ordnen und Zusammenhänge auszuarbeiten.  Nur:  ich habe ein Treffen im Freundeskreis, dass ich weder absagen kann noch wirklich möchte. Das heißt für mich: ich muss unterbrechen. Das ist etwas was  mir gar nicht behagt. Ich bin jetzt schon nervös und ahne, dass der Rest des Tages eher stressig wird.
Es ist in dem Sinne keine neue Situation. Ich habe schon oft viele Tipps bekommen, „doch mal abzuschalten“, „mal an was anderes zu denken“ oder „mich mal abzulenken“. Mittlerweile weiß ich, dass diese Tipps aus Sorge gegeben wurden und nicht um mich an was zu hindern. Es mag von Außen auch schwer verständlich sein, dass ich gar nicht das Bedürfnis verspüre, „mal was anderes zu machen“.  Im Gegenteil. Es tut mir gut, es in der Form zu tun. Es strengt mich noch nicht mal an.  Diese Tipps sind also an meiner persönlichen Situation vorbei formuliert.  Wenn ich Pause mache, mache ich gar nichts, denn umswitschen  (den kompletten Fokus auf was neues legen) würde mich verwirren und wirklich Energie fordern.
Ich achte drauf, dass wichtige Standardsachen nicht zu kurz kommen (Haushalt, Tierversorgung, mich um meine Belange kümmern etc.) . Ich versuche auch, Sozialkontakte zu pflegen.  Aber auch da gilt offensichtlich:  jeder zu seiner Zeit.  Auch wenn ich manchmal versuche etwas offener zu sein, und zumindest dem Multitasking eine Chance gebe. Mit sehr viel Mühe klappt das sogar. Wenn ich zu gestresst bin, sollte man mich z.B. beim Kochen nicht ansprechen, wenn man das Essen hinterher genießen möchte.
Wo es wirklich auffallen kann bei mir ist beim konzentrierten Arbeiten. Das sind die Phasen wo ich zu „selektivem Mutismus“ neige,  also wirklich erst dann wieder sprechen kann, wenn ich die Aufgabe beendet habe. Solange ich das im Vorfeld kommuniziere wird es auch akzeptiert.
Im beruflichen Alltag hat sich für mich allerdings gezeigt, dass diese Art des Fokussieren könnens durchaus Vorteile für meine Arbeitsleistung bringt. Wenn ich einmal angefangen habe und nicht gestört werde kann ich intensiv stundenlang eine Aufgabe bearbeiten.weiterführende links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus  (Monotropismushypothese allgemein)
http://www.autismusundcomputer.de/hypothesis.de.html  (eine sehr schöne und anschauliche deutsche Übersetzung einer Metastudie)
http://suite101.de/article/autismus—wird-ein-fluch-zum-segen-a96990
http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de/npin/npinkrankheit/show.php3?p=1&id=68&nodeid=21  (zentrale Kohärenz)