Auticare zur ABA-Therapie

Nach dem kürzlich in der „Zeit“ erschienen Artikel über die ABA-Therapie (Applied Behavior Analysis), ist jüngst eine neue und hitzige Debatte über diese Form der Therapie bei Autismus entbrannt.Im Zuge dieser Debatte wurden wir von mehreren Menschen darauf angesprochen, wie sich AutiCare zu ABA positioniert.

Hier nun unser offizielles Statement zur ABA-Therapie.

Wie so oft im Leben klaffen die theoretische Grundidee und deren Umsetzung in der Praxis oft weit auseinander.
So auch im Fall von ABA.

Grundsätzlich ist aus unserer Sicht nicht viel dagegen einzuwenden, durch Konditionierung (allein das Wort ist schon so negativ vorbelastet), eine Verhaltensänderung zu erreichen. Dies gilt in unseren Augen aber nur, so lange es sich bei der Konditionierung um ein positives und zwangloses Feedback handelt (Belohnungen).

In der Praxis sieht das bei ABA allerdings meist ganz anders aus. Hier werden Kinder oft auf eine Art und Weise drangsaliert, die für uns vollkommen inakzeptabel ist.
Es wird zwar immer wieder mit der hohen Erfolgsquote von ABA geworben, doch zu welchem Preis.
Der Preis heiligt nicht die Mittel. Sicherlich stellt sich oft ein Erfolg ein. Jedoch werden die Patienten charakterlich dabei oft gebrochen. Nicht selten gibt es Berichte die davon sprechen, dass ABA Patienten im Erwachsenenalter von ihren Therapeuten sogar ein Bestrafungstrauma diagnostiziert bekommen. Bei manchen sitzt dieses Trauma derartig tief, dass sie schon zusammenzucken, wenn jemand in ihrer Nähe nur die Hand zum Gruß erhebt.

Die kleinen Patienten werden bei ABA oft gegen ihren Willen festgehalten, sie werden gezwungen ihrem Gegenüber in die Augen zu blicken oder Körperkontakt zuzulassen, den sie gar nicht wollen.

Während es für neurotypische Menschen in der Regel bestenfalls eine Erniedrigung darstellt auf diese Weise behandelt zu werden, geht das bei Autisten oftmals sogar mit regelrechten seelischen Schmerzen einher. Diese Erfahrungen sind so intensiv, dass es immer wieder zu den beschriebenen Traumata kommt.

Bei einer Therapie sollen die Erkrankung eines Patienten gelindert oder im Idealfalle geheilt werden. Einen Menschen mit Gewalt und gegen seinen Willen in eine Form zu pressen, stellt aber wohl eher eine Symptombekämpfung der Gesellschaft dar. Es wird der Gesellschaft leichter gemacht, mit dem Autisten umzugehen. Dies kann nicht Ziel einer Therapie sein.

Eine moderne Gesellschaft, wenn sie überleben will, muss zwingend auch Vielfalt und das Andersartige akzeptieren. Es muss eine Integration von Autisten in die Gesellschaft erfolgen, kein verbiegen bis sie passen.

Aus eben diesen Gründen lehnen wir als Verein die ABA-Therapie (vor allem in ihrer jetzigen Form) ab.